Eric Earnest, ein zentraler Mitverschwörer im Fall um Insiderinformationen und Wetten, in den der NBA-Spieler Terry Rozier verwickelt ist, hat sich am Donnerstag vor einem Bundesgericht in New York der Verschwörung zum Betrug mittels elektronischer Kommunikation schuldig bekannt. Sein Anwalt erklärte nach der Anhörung jedoch, dass sein Mandant keine Insiderinformationen von Chauncey Billups, ehemaliger NBA-Spieler und Cheftrainer, erhalten habe.
Laut der Anklageschrift des Bundes hat ein nicht namentlich genannter Mitverschwörer dem Earnest mitgeteilt, dass die Portland Trail Blazers Spiele absichtlich verlieren würden und dass bestimmte Spieler von Portland vor dem Spiel gegen die Chicago Bulls am 24. März 2023 nicht eingesetzt würden. Der Mitverschwörer wird in der Anklageschrift als Einwohner des Bundesstaates Oregon beschrieben, der „von etwa 1997 bis 2014 NBA-Spieler und seit mindestens 2021 NBA-Trainer“ gewesen sei. Diese Angaben stimmen mit der Karriere von Billups überein.
Während der Anhörung sagte der 54-jährige Earnest vor Gericht aus, er habe „mit einer anderen Person vereinbart, bei einem Buchmacher auf ein NBA-Spiel eine illegale Wette zu platzieren“, und zwar rund um den 24. März 2023. Der stellvertretende US-Staatsanwalt David Berman erklärte, die Regierung hätte nachweisen können, dass der Mitverschwörer zum Zeitpunkt der Wette Cheftrainer in der NBA gewesen sei und Insiderinformationen an andere weitergegeben habe, die auf ein NBA-Spiel gewettet hätten. Berman nannte den Mitverschwörer nicht namentlich. Dieser wurde im Fall auch nicht angeklagt.
Widerspruch der Verteidigung
Nach der Anhörung erklärte Earnests Anwalt Peter Brill gegenüber Journalisten: „Unsere Position ist, dass Chauncey Billups Mr. Earnest zu keinem Zeitpunkt Insiderinformationen zur Verfügung gestellt hat, mit denen dieser Wetten platziert hätte.“ Brill bezeichnete die Behauptung der Anklage, Billups habe Earnest die Informationen geliefert, als „grundlegende Meinungsverschiedenheit“ mit der Regierung.
Billups’ Anwalt Marc Mukasey wollte sich am Donnerstagnachmittag nicht zu Brills Aussage äussern. Billups wurde im Fall der Insiderinformationen nicht angeklagt.
Poker-Verfahren
In einer separaten Anhörung am Donnerstag bekannte sich Earnest zudem der Betrugsanklage in einem Fall schuldig, bei dem es um manipulierte Pokerspiele geht und in dem Billups angeklagt ist. Billups hat auf nicht schuldig plädiert.
Earnest gab zu, seit April 2019 an Pokerspielen teilgenommen zu haben, die „gegen bestimmte Spieler manipuliert waren“. Der zuständige Staatsanwalt Michael Gibaldi erklärte vor Gericht, er sei bereit nachzuweisen, dass Earnest an Spielen mit Mischmaschinen teilgenommen habe, die die Karten der Spieler am Tisch vorhersagen konnten. Diese Informationen seien anschliessend an Personen weitergegeben worden, die mutmasslich am Betrug beteiligt waren.
Mögliche Strafen
Earnest droht für jeden Anklagepunkt der Verschwörung zum Betrug mittels elektronischer Kommunikation eine Höchststrafe von 20 Jahren Haft sowie drei Jahre überwachte Entlassung. Zudem sind Bussen von bis zu 250’000 US-Dollar oder das Doppelte des Bruttogewinns beziehungsweise des Bruttoverlusts vorgesehen.
Die Staatsanwaltschaft schätzte anhand der Bundesrichtlinien für Strafzumessung, dass Earnest im Fall der Insiderinformationen mit 30 bis 37 Monaten Haft rechnen muss, im Pokerfall mit 63 bis 78 Monaten.
Die Urteilsverkündung im Pokerfall ist für den 4. März 2027 angesetzt, im Fall der Insiderinformationen für den 15. April. Die übrigen Beschuldigten in den beiden Verfahren, darunter Rozier und Billups, sollen Anfang 2027 vor Gericht stehen.