
Die NBA hat auf die Forderung zweier US-Senatoren reagiert, die Partnerschaft mit Ruanda und dem Machthaber Paul Kagame zu überprüfen. Vizekommissar Mark Tatum verwies dabei auf den Ausschluss des vom Militär finanzierten Teams Armée Patriotique Rwandaise (APR) aus der Basketball Africa League (BAL). Die Liga passe sich, so Tatum, an die veränderte Politik der USA gegenüber dem ostafrikanischen Land an.
In einem Schreiben an die Senatoren Jeff Merkley (D-Ore.) und Marsha Blackburn (R-Tenn.) hielt Tatum fest, dass das APR-Team nach der Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen die ruandische Verteidigungsstreitkraft («Rwandan Defence Force») Anfang dieses Jahres «zurückgezogen wurde». APR bleibe so lange von der BAL ausgeschlossen, wie die Sanktionen in Kraft seien. Tatum hatte bereits zuvor erklärt, die NBA richte sich bei der Frage, wo sie geschäftlich tätig sein könne, nach der Politik der US-Regierung.
Merkley und Blackburn hatten sich zuvor in einem Brief an NBA-Kommissar Adam Silver gewandt. Sie zeigten sich «zunehmend alarmiert» über die «vertieften Beziehungen der NBA zu Ruanda». Neben einer Antwort zu APR stellten die Senatoren weitere Fragen, unter anderem, ob die NBA eine «rote Linie» für Gelder von ausländischen Regierungen habe, die Menschenrechtsverletzungen begehen.
Keine direkte Antwort auf die Fragen
Tatum ging auf diese Frage und die übrigen Fragen nicht direkt ein. Er schrieb, die Mission der Liga sei es, Menschen durch Basketball zu inspirieren und zu verbinden, in den USA und in mehr als 200 weiteren Ländern und Gebieten. Das Geschäft in der Welt sei «nicht nach einem Schema» aufgebaut, man folge jedoch in allen Fällen der US-Politik, wenn es darum gehe, wo und wie gearbeitet werde. Zugleich verurteile die NBA Menschenrechtsverletzungen, wo immer sie vorkämen. Zum Schluss betonte Tatum: «Künftig werden wir uns weiterhin an veränderte Umstände anpassen, wie es die US-Politik verlangt.»
Die Regierung Kagame wird von den USA, Grossbritannien und weiteren Staaten sowie von zahlreichen Menschenrechtsorganisationen beschuldigt. Die Vorwürfe reichen von Inhaftierung, Folter und Mord an politischen Gegnern bis zur Finanzierung von Kindersoldaten im benachbarten Demokratischen Republik Kongo (DRK).
Neue Sanktionen und scharfe Kritik
Vergangene Woche kündigte die US-Regierung neue Sanktionen gegen Ruanda an, weil das Land die Rebellengruppe M23 weiterhin unterstützt. Merkley und Blackburn schrieben, die M23 habe in der DRK «Hunderte Zivilisten standrechtlich hingerichtet, Massenvergewaltigungen begangen, Kindersoldaten rekrutiert und Zivilisten gefoltert».
Merkley bezeichnete Tatums Antwort als «schwer vereinbar mit den Fakten». Die USA verschärften die Sanktionen gegen Ruanda, weil das Land den Konflikt in der DRK anheize, und die Liga antworte darauf, indem sie ihre Partnerschaft mit der dafür verantwortlichen Regierung noch ausbaue. «Wir müssen autoritäre Regime für ihre Menschenrechtsverletzungen zur Rechenschaft ziehen, nicht mit ihnen liebäugeln», so Merkley. Die NBA solle die Diktatur in Ruanda nicht länger belohnen und die Partnerschaft mit dem Regime Kagame beenden.
Hintergrund der Partnerschaft
Die beiden Senatoren hatten Silver bereits vor zwei Jahren geschrieben, nachdem ein Bericht die Annäherung der NBA an Kagame thematisiert hatte, der seit 1994 das Land führt. Ruanda gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und liess in der Hauptstadt Kigali eine Arena mit 10’000 Plätzen errichten. Diese Halle ist zentral für die Expansion der NBA in Afrika.
Anfang vergangenen Jahres forderte die DRK die NBA, die Formel 1 und grosse internationale Fussballklubs auf, ihre millionenschweren Partnerschaften mit Ruanda zu beenden. Einige Monate später kündigten der FC Bayern München und der FC Arsenal unter dem Druck von Fans und Medien ihre Sponsoringverträge mit Ruanda auf.